Zahl des Tages: 138

veröffentlicht: 12. März 2008, 19:14 - zuletzt bearbeitet: 12. März 2008, 21:06

Nur mal schon als Vorabmeldung, weil es so erstaunlich ist und die deutschen Nachrichtenagenturen offensichtlich nicht gedenken, darüber zu berichten, jedenfalls habe ich bislang nichts gesehen.

Also: Wir haben heute in Zug beim Strafprozess gegen ISL/ISMM-Manager einen historischen Moment erlebt. Die Dimension des olympischen Betruges wird etwas deutlicher: Wenn man alles zusammen rechnet, soll allein die ISMM-Gruppe zwischen 1989 und 2001 sagenhafte 138 Millionen Schweizer Franken Schmiergeld an Sportfunktionäre und/oder deren Tarnfirmen gezahlt haben, um an lukrative Aufträge zu gelangen. Diese Zahlen wurden vor Gericht erörtert – und niemand widersprach.

Mehr zu dieser Sensation später. Hier und anderswo. Zur Feier des Tages, denn die ISL-Sache hat in den vergangenen fünfzehn Jahren viel Energie gekostet, mache ich jetzt mal ‘ne Pause.

Okay, schnell noch einige Appetizer:

Der Richter:

“Das hat etwas Verschwörerisches an sich!”

Ein Angeklagter:

“Alle diese Zahlungen waren notwendig, um überhaupt Verträge zu bekommen und dass die (gemeint sind die Sportfunktionäre/d. A.) sich dran halten.”

Schmiergeld an Sportfunktionäre zu zahlen ist:

“Als wenn man Lohn bezahlen muss. Sonst wird nicht mehr gearbeitet. Ansonsten wären diese Verträge von der anderen Seite nicht unterschrieben worden. Diese Zahlungen sind betriebswirtschaftlich notwendig, sind echte Aufwandspositionen. Nur die andere Seite möchte nicht genannt werden, das ist das Sensitive.”

Die “andere Seite”, wer könnte das sein? An welche Personen aus welchen Verbänden könnten diese 138 Millionen Franken verteilt worden sein?

Fakt ist bisher nur: Die ISMM-Partner jener Jahre hießen IOC, Fifa, Fina, Fiba, OCA, ATP, IAAF, CAF, u.a.

Ein anderer Angeklagter:

“Diese Praxis war unerlässlich, sie war branchenüblich, sie gehörte zum Stil des Geschäfts.”

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8 kommentare zu “Zahl des Tages: 138”

    1. Fooligan • Korruption und Sport am 12. März 2008 - 20:08 -

      [...] ISL-Manager. Und wer sich für Korruption im Sport interessiert, sollte die Tage häufiger Mal bei ihm reinschauen, das verspricht einiges: Wenn man alles zusammen rechnet, soll allein die ISMM-Gruppe zwischen 1989 [...]

    2. Peking, Tag 5 : jens weinreich am 5. August 2008 - 18:42 -

      [...] Blog – verantwortlich für den größten Korruptionsskandal der Sportgeschichte. Schon vergessen? 138 Millionen Schweizer Franken hat Webers ehemalige Firma ISL/ISMM zwischen 1989 und 2001 an Schmiergeldern an hohe [...]

    3. Don Julio verpflichtet Maradona : jens weinreich am 29. Oktober 2008 - 23:12 -

      [...] marketing. Of course, nothing is official. Real owners are not in the books. Puntogol used to be ISL before, FIFA’s marketing company until it broke in 2001. The President of ISL Argentina was [...]

    4. Gericht rügt Fifa: “täuschendes Verhalten” : jens weinreich am 30. November 2008 - 16:10 -

      [...] hier im Blog recht ausführlich dokumentiert. Es geht um Schmiergeldzahlungen von bestätigten 138 Millionen Franken an höchste Sportfunktionäre aus jenen Verbänden, mit denen der einstige Weltmarktführer [...]

    5. And the winner is: Jean-Marie Weber : jens weinreich am 15. Februar 2009 - 01:22 -

      [...] hier auch die fotografische Auslösung, unverkennbar, JMW, der Mann, der 138 Millionen Schmiergeld an Sportfunktionäre verteilte. Mindestens, denn gezählt wurde nur zwischen 1989 und 2001 [...]

    6. René Fasel: “Im Moment ist es aber besser zu schweigen” : jens weinreich am 12. Mai 2009 - 09:35 -

      [...] Wird hier aus dem gleichen Zuger Büropalast, in dem einst der Bestecherkonzern ISL/ISMM residierte, das gleiche Geschäft betrieben? Werden olympische Sportfunktionäre mit ähnlichen Summen geschmiert, weil – wie ISL-Manager vor Gericht aussagten – sie sonst nicht arbeiten würden, weil sonst kein Vertrag zustande käme/zustande gekommen wäre? [...]

    7. Herr K. am 22. Juli 2009 - 18:39 -

      eine schier unglaubliche Zahl, aber ich denke, dass es anderso noch viel schlimmer ist.

    8. Fifa: Champagne entlassen, der Mann mit dem Koffer bleibt | Nation of Swine am 17. Januar 2010 - 15:13 -

      [...] ist Jean-Marie Weber? Im Frühjahr 2008 fand in Zug ein Prozess gegen sechs Exekutivmitglieder der Sportmarketingfirma ISL/ISMM statt. Jean-Marie Weber wurde dabei als Mitglied des Verwaltungsrats zu einer milden Geldstrafe [...]

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