Da Dong

veröffentlicht: 26. August 2008, 12:41 - zuletzt bearbeitet: 26. August 2008, 12:44

Da Dong Roast Duck Restaurant 大董烤鸭店

1-2/F , Nanxincang Int’l Building, A22, Dongsi Shitiao, Dongsishitiao Southwest of Dongsi Shitiao Bridge 东四十条甲22号南新仓国际大厦1-2层
东四十条桥西南

Den kulinarischen Höhepunkt der Olympia-Dienstreise muss ich noch aufarbeiten. Schon um meinem zuständigen Finanzamt eine Freude zu bereiten, denn ich habe die Kollegen G und L bewirtet. Der Steuerzahler trägt also anteilig die Kosten unseres Geschäftsessens beim Großmeister Da Dong, einem der berühmtesten Entenbrater Pekings. Wie ich erfahren musste, ist Da Dong aber noch mehr für seine wunderbaren Seegurken berüchtigt bekannt. Die habe ich nicht getestet. Dem Herrn G ist ohnehin irgendwas auf den Magen geschlagen, er meint, es sei der Nachtisch gewesen: Mango- und Papaya-Eis. Doch der Reihe nach, denn zunächst einmal gab es eine Überraschung.

Wie klein doch die Welt ist, die olympische, wurde uns im Eingangsbereich klar. Bei Da Dong hatte also schon ein anderer Großmeister gespeist. Sogar an einem symbolischen Tag, dem 8. 8. 2008, dem Tag der Eröffnungsfeier.

Mit seinen 88 Jahren sieht er noch knackig aus, Juan Antonio Samaranch.

Ihr habt eine Goldmedaille verdient, schreibt der IOC-Ehrenpräsident.

Habe gar nichts gegen Samaranchs Urteil einzuwenden. So von Feinschmecker zu Feinschmecker. Auch wenn das Herr G heute anders sehen mag. Jedenfalls, gestern stand dies auf dem Speiseplan:

Aperetif: 2 Margaritas. Sehr gut, die Chinesen können mixen, sagt auch Kollege L, der mal eine Rundreise durch China gemacht und dabei etliche Bars getestet hat.

Vorspeise: Chef Dong’s Fried Prawns with spicy sauce. Ein Genuss, so dass die Herren L und G, die eigentlich nur Ente wollten, richtig reingelangt haben.

Hauptgang: Chef Dong’s Roast Duck special selection. Ja, sehr okay.

Getränke: Domaine Chanson Chablis-AOC (mit Schraubverschluss und Korken?). Herr G, der Barbare, blieb beim Qiangdao, wahrscheinlich hat ihm das den Magen verdorben.

Dessert: Obst, Mango- und Papaya-Eis. Und weil’s wirklich lecker war: Noch mal Chef Dong’s Fried Prawns with spicy sauce.

Alles in allem: eine runde Sache. Sehr zu empfehlen.

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21 kommentare zu “Da Dong”

    1. Foxxi am 26. August 2008 - 14:10 -

      puuh … Seegurke! Das war wirklich das Einzige, was ich in China nicht runtergebracht habe – salziges Gelee … *würg*

    2. mb am 26. August 2008 - 14:24 -

      @jw, Habt ihr auch versucht, euch wie “der Meister” mit dem Restaurant-Personal ablichten zu lassen? 2. Frage: Ist Da Dong der Mann rechts hinten oder fängt er gerade die Enten im Restaurantteich?

    3. ha am 26. August 2008 - 15:08 -

      Und: Sieht Samaranch so gut aus, weil in der Ente was war? Will er deshalb eine Goldmedaille verleihen? Welche Regeln befolgt Meister Da Dong, auch beim Mixen der Soja-Soße? Gibt es überhaupt Regeln, oder ist das ein geheimes Rezept, ein abgeschottetes Küchensystem? Oder hat Meister Da Dong eine Sonder-Zucht, zur Rückholung der Ente in die Entennatur, sozusagen?

    4. ha am 26. August 2008 - 16:03 -

      Und, wichtigste Frage, nicht an Giselle Davies: Handelt es sich bei dieser Goldmedaille, die ja offensichtlich erst noch verdient werden muss (nicht “deserved”), um einen Bestechungsversuch, womöglich im Interesse der spanischen Radsportler, damit die auf DaDong-Entenpfaden wandelnd 2012 eine Chance gegen die Briten haben?

    5. Tobias am 26. August 2008 - 18:36 -

      @jens
      zu den dopingkontrollen eine frage. es ist ja bekannt, dass testosteron im urin nur durch einen enzymwert(Abbau-Enzym UGT21B17) gemessen wird, welcher bei ostasiaten so gut wie nicht vorkommt,wie laktose, also nicht messbar ist.
      wieviel blutproben wurden in peking genommen? ich konnte keine zahlen finden, nur die üblichen über die gesamtzahl.

    6. Jens Weinreich am 26. August 2008 - 19:11 -

      Tobias, was Du alles weißt? UGT21B17!
      Die letzten Zahlen, die ich bezeugen kann, wurden auf der PK vergangenen Freitag genannt: Bis dahin 4620 Proben, davon 3681 Urin und 939 Blut. Versprochen waren 4500 inkl. 900 Blut.
      Zuletzt lieferten sie vier Tage nach dem Wettkampf die Analysen, d. h. sie werden im Labor vielleicht noch am Mittwoch oder sogar am Donnerstag arbeiten. Allerdings fallen an den letzten Wettkampftagen nicht mehr so viele Proben an, so dass sie möglicherweise fertig sind.
      Habe leider keinen Agenturzugang, so dass ich das nicht überprüfen kann.

    7. Schnecke am 26. August 2008 - 20:33 -

      Also dem zurecht ausführlichen Lob hier für Deinen blog schließe ich mich uneingeschränkt an. Danke dafür, aber was Deine kulinarischen Tipps anbelangt, hätte ich Dir mehr Mut zugetraut. Bevor Du nach Hause startest, musst Du wenigstens mal
      “tausendjährige (Enten-) Eier” probieren.
      皮蛋, pídàn oder 松花蛋, sōnghuādàn

      Viel Spaß und ein Foto von Dir beim Essen hätte ich dann auch gerne ;-D

    8. Fränkie am 26. August 2008 - 20:35 -

      Hallo Jens, mir hat es total Spaß gemacht, deine Beiträge habe ich mir richtig reingezogen. Ich hoffe, du verkraftest die Rückkehr aus der Parallelwelt gut und wünsche dir jede Menge Power für die anstehenden Termine. Vielleicht bis bald mal, danke für niveauvolle Olympiaberichterstattung.

      Fränkie

    9. radoteur am 26. August 2008 - 21:17 -

      n abend,
      ich kann mich Fränkie nur anschließen:
      ‘Hallo Jens, mir hat es total Spaß gemacht, (…) danke für niveauvolle Olympiaberichterstattung.’

      ich war leider von freitag bis gestern abend aufgrund einer familienfeierei offline…
      und musste mir als erstes noch gestern die halbe nacht in diesem blog nachholen, war jedenfalls wichtiger als essen und schlafen ;))

      im rahmen der familienbegegnung durfte ich allerdings auch feststellen, dass das bedürfnis nach medaillenzählerei in schwarz-rot-gold tatsächlich für manche (viele?, fast alle?) leute nach wie vor den kern des olympischen interesses ausmacht. kritischer, hintergründiger (und gar ironisierender) sportjournalismus trifft jedenfalls bei meiner verwandtschaft auf keine resonanz.

      bin gespannt, hier wieder interessante eventbegleitung zu erleben.

    10. Linksaussen am 27. August 2008 - 00:42 -

      “Ja, sehr okay.”? das ist alles über die ente eines meisters?

    11. Arnulf am 27. August 2008 - 02:06 -

      @mb: Restaurant-Personal? Ist das auf dem Foto nicht der Escort-Service, den das Organisationskomitee traditionell allen verdienten IOC-Mitgliedern zur Verfügung, äh, zur Seite stellt? Oder gibt’s das nur während der Bewerbungsphase? ;-)

    12. Jens Weinreich am 27. August 2008 - 02:25 -

      @ Linksaussen: Es war definitiv keine hundertjährige Ente. Das Besondere an Meister Da Dongs Enten soll ja sein, dass sie nicht gerade frisch gefangen werden, aber doch frisch zubereitet und, vor allem, nicht so fett gemästet werden. Ich weiß nicht, womit der Meister das hinkriegt, muss so ähnlich funktionieren wie bei den Wachstumshormonen der Schwimmer und Leichtathleten, wo es das Unterhautfettgewebe dahinschmelzen lässt. Da Dongs Enten jedenfalls haben fast kein Fett unter der Haut, so dass es schon wieder Ähnlichkeit mit einem – Achtung – Goldbroiler hat. Das Fleisch ist sehr zart, gar nicht so entig, wie man es aus Dland kennt. Und wie Du sicher weißt, wird die Ente fachgerecht mit scharfer Machete am Tisch zerschnippelt. Man muss sich eine Art Tortilla mit dicker Sojasoße bestreichen, einen Zentner Knoblauchpaste drauf zerreiben, einige Gemüsestreifchen verteilen, Entenstückchen natürlich auch, und seine chinesische Tortilla dann falten und verspeisen. So geht das bei Da Dong. Alles in allem also, wie ich bereits sagte: “Ja. Sehr okay.”

    13. Linksaussen am 27. August 2008 - 12:45 -

      ah. das “sehr okay” ist dann wohl ehr schon die steigerung eines komplimentes. das klingt alles sehr gut, aber ich hab das leider noch nicht erlebt. in dtl gibts sowas ja kaum.

    14. Max am 30. August 2008 - 12:04 -

      Lustich, Sie Herr Weinreich wissen nicht, ob Warnatzsch einen Strafbefehl bekommen hat (http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2003/0724/sport/0003/index.html). Hat er, so schrieben Sie und sagt jedenfalls der Dopingfreund. Und den Strafbefelh bekam er, weil damals kein Männertrainer richtig bestraft wurde. Die ZERV hatte mit den Damen genug zu tun und bekanntermaßen Zeitmangel wegen Verjährung. Nun verjährt ja die Wahrheit nicht. Und mich würde interessieren, was passiert Mitte Sept. wenn die Kinderdoper aus dem Urlaub kommen und wieder an die Arbeit wollen. Stehn Sie dann in der Fritz-Lesch-Str.? herzlichst Max

    15. Jan am 31. August 2008 - 22:55 -

      Ich habe hier auch mitgelesen. Mangels Fernseher und Zeit war das mein einziger Kontakt mit dieser Olympiade. Habe es geschätzt, auch ein paar Infos links und rechts vom Sportgeschehen zu erhalten. Verwandschaft lebte viele Jahre aus beruflichen Gründen in dieser Stadt.

      Vielen Dank!

    16. Martin Sommerfeld am 2. September 2008 - 18:15 -

      Auch von mir nachträglich nochmal ein großes Dankeschön für die vielen interessanten Einträge. Werde dem Blog treu bleiben. :-))

    17. Jens Weinreich am 2. September 2008 - 22:59 -

      treu bleiben, das klingt gut. wenn ich mich erholt habe, soll hier doch noch einiges passieren.

    18. Ricci am 5. September 2008 - 10:27 -

      Hello!
      Super-Webseite, hier komme ich jetzt häufiger vorbei!
      Meine Frage an den Tobias, oder vielleicht weiß auch Jens Weinreich was, mit den Dopingtests (“Abbau-Enzym UGT21B17″):
      Wo kann man da mehr drüber erfahren? Wie schnell funktioniert ein Urin-Test? Wann werden Blut- und nicht Urintests gemacht? Welche Unterschiede bei Tests gibt es noch?
      Thanks for any answer, gerne auch e-mail!
      Ricci

    19. Jens Weinreich am 5. September 2008 - 18:50 -

      @ Ricci: einiges kannst du dir übers netz selbst beantworten. basis-wissen findest du u. a. hier: http://www.wada-ama.org, http://www.dopinginfo.de

    20. Ricci am 11. September 2008 - 14:03 -

      Hier übrigens der interessante Artikel zum Enzym UGT2B17
      http://www.sueddeutsche.de/sport/weitere/artikel/677/171176/

    21. Belthazar : jens weinreich am 3. Februar 2009 - 17:05 -

      [...] sollten Leadsätze nie sein.) Ich meine, wer erinnert sich schon noch an das wunderbare Da Dong, an Meister Dong’s Spicy Fried Prawns und Juan Antonio? Was für ein feiner Abend! Also, mal hurtig Off-Topic, denn hier soll doch nicht [...]

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