Zum “Forschungsprojekt Dopinggeschichte”

veröffentlicht: 9. April 2009, 11:53 - zuletzt bearbeitet: 9. April 2009, 12:22

Das Forschungsprojekt Dopinggeschichte, das hier im Blog bereits seit Oktober diskutiert wird, ist umstritten. Auch Ausschreibung und Vergabe des Projektes, das laut DOSB/BMI Bahnbrechendes leisten soll, sind umstritten und nicht eben transparent. Merkwürdig zudem, dass die Propaganda die dubiosen “Ehrenerklärungen” als Bestandteil dieses “wissenschaftlichen” Projektes wertet. Um die Diskussion mit Argumenten zu erschweren – hier der Brief, den Professor Gerhard Treutlein am 5. November 2008 an den Direktor des Bundesinstituts für Sportwissenschaft (BISp), Jürgen Fischer, geschrieben hat:

Betr.: Forschungsprojekt Dopinggeschichte (vgl. Ausschreibung Oktober 2008)

Sehr geehrter Herr Fischer,

nach reiflicher Überlegung habe ich mich dazu entschlossen, keinen Antrag zu stellen. Nachfolgend werde ich die Gründe für meine Entscheidung aufführen, die Sie bitte der entsprechenden Kommission und den Gutachtern zur Kenntnis bringen wollen.

Folgende Negativerlebnisse mit dem BISp liegen meiner Entscheidung zugrunde:

  • So genannte „Gutachten” der Herren Keul und Klümper zum Manuskript unseres Forschungsprojekts von 1971 – 1974 (Pfetsch et al.) (nachzulesen bei Singler/Treutlein 20074, S. 357 – 384), für die sich nie jemand entschuldigt hat, trotz mehrerer Aufforderungen durch mich.
  • Ablehnung von zwei Forschungsanträgen 1991 und 1992 zum Doping in der DDR und der BRD (zum zweiten Antrag wurde mir von einem Referenten des BISp bestätigt, dass er gut war) – Ergebnis des Vorhabens, das dann vorwiegend auf privater Basis finanziert wurde, sind die Veröffentlichungen von Singler/Treutlein (2000,2001), Arndt/Singler/Treutlein (2004) und Knörzer/Spitzer/Treutlein (2006).
  • Nichtbeantwortung von 2 Schreiben an den BISp-Direktor Dr. Büch (mit der Bitte der Möglichkeit der Einsichtnahme in Forschungszwischen- und Endberichte zu genehmigten Forschungsvorhaben der Sportmediziner Keul, Kindermann, Hollmann, Liesen (Schreiben vom 1.2. und 1.8.2000).
  • Aktivitäten des Herrn Dr. Müller-Platz gegen meine Person – er dürfte wohl immer noch der Hauptverantwortliche des BISp für die Dopingthematik sein. Er hat während seiner Amtszeit bei der Aufgabe der Aufarbeitung der westdeutschen Dopinggeschichte aus meiner Sicht völlig versagt.
  • Nichtumsetzen von relevanten Informationen (z.B. durch Dieter Quarz und Ralf Meutgens) in Forschungsaufträge.
  • Fehlende Umsetzung der Ergebnisse von Forschungsprojekten in Aufträge zur Umsetzung in Praxisrelevanz.
  • Ablehnung meines Antrags im November 2007 zur Erhebung der Präventionsaktivitäten in Deutschland zwischen 2004 und 2007.   Vor diesem Hintergrund sehe ich die Formulierung eines Antrags und das Ausfüllen von vielen Formularen als Zeitverschwendung an.   Ich habe aber auch inhaltliche Probleme.
  • Im Prinzip enthalten die Bücher von Berendonk, Bette/Schimank, Meutgens und Singler/Treutlein alle wesentlichen Fakten. Erkennbare Konsequenzen wurden daraus nicht gezogen; der deutsche Sport und auch die Politik haben weiter agiert, als sei nichts gewesen oder nichts bekannt. Es steht von daher kaum zu erwarten, dass das Ergebnis einer weiteren Forschungsarbeit zu deutlicheren Konsequenzen führen würde.
  • Von den 45 Zeitzeugen, die Andreas Singler und mir zur Verfügung standen, ist ein Teil bereits verstorben. Während Sportlerinnen und Sportler unserem Eindruck nach recht ehrlich geantwortet haben, war dies aus unserer Sicht umso weniger der Fall, je höher die Funktion des Zeitzeugen im deutschen Sport. Hier wurden meist nur wohlformulierte und oft nichtsssagende Floskeln geäußert. Warum sollte dies Jahre später anders sein oder wo sollen bisher nicht benutzte Dokumente auftauchen?
  • Zeitzeugen, die etwas aussagen könnten, wie z.B. Prof. Dr. Clasing, Prof. Dr. Steinbach, Prof. Dr. Kindermann, Prof. Dr. Hollmann, Prof. Dr. Liesen (oder Kristin Otto zur Frage der Integration in Gesamtdeutschland nach der Wende) werden dies nicht im nötigen Umfang tun, geschweige denn Ärzte wie Dr. Heinrich, Dr. Huber, Prof. Dr.Schmidt u.a.m.. Warum sollten sie auch, wo sie dies schon in der Vergangenheit nicht getan haben. Wo sollen also neue Erkenntnisse herkommen?
  • Interessant wäre ja schon, wer solche in der Zwischenzeit schon fast sporthistorischen Figuren wie Clasing, Huber, Kindermann, Hollmann u.a.m. in entsprechende Gremien befördert hat, die entweder sich in der Dopingbekämpfung engagieren sollten oder über Forschungsanträge, die aus unserer Sicht eher zu staatlich geförderter Dopingforschung geführt hat. Darüber dürfte es im Zweifelsfall keine aussagekräftigen Protokolle geben oder der Zugang wird verweigert werden, oder noch besser: Entsprechende Unterlagen wurden vernichtet. Als Erstes könnte das BISp ja die Unterlagen zu den Testosteron-Forschungsprojekten der 80er Jahre offen legen.

Es bleibt also die Frage: Was ist der Sinn  dieses Forschungsvorhabens und welches Ergebnis wird angestrebt?

Wir haben es mit der gleichen Problematik zu tun wie bei der Aufarbeitung der Geschichte des Sports im Dritten Reich: Einigermaßen emotionslos wird eine Aufarbeitung erst nach dem Tod wesentlicher Akteure und einer Neubesetzung wesentlicher Gremien und Funktionen durch unbelastete Leute möglich sein; dann fehlen aber erst recht die relevanten Zeitzeugen. Und schriftliche Dokumente dürften dann kaum zusätzlich zu finden sein.

Vor diesem Hintergrund schlage ich eine Abwandlung des Forschungsauftrags vor: Herstellung einer Synopse der oben genannten Bücher und Formulierung von Vorschlägen, wie die Dopingproblematik – auf der Grundlage der Kenntnisse aus der Vergangenheit – in Zukunft angegangen werden soll (vgl. hierzu auch das Gutachten von Singler und Treutlein für die Bundestagsstelle für Technologiefolgenabschätzung im letzten Jahr). Für eine solche Aufgabe kommen nur ausgewiesene Experten in Frage, die auch über die nötige Zeit verfügen wie z.B. Andreas Singler, Giselher Spitzer oder Ralf Meutgens. Ohne diese bereits vorliegende Kompetenz könnte die Umsetzung des ausgeschriebenen Auftrags in einer Geldverschwendung münden.

Mit freundlichen Grüßen!

Prof. Dr. Gerhard Treutlein

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20 kommentare zu “Zum “Forschungsprojekt Dopinggeschichte””

    1. Ralf am 13. April 2009 - 10:49 -

      Tagesspiegel: Belastende Mittel

      „Ich habe Ewald gefragt, ob es Doping in der DDR gab. Er sagte: Alles gelogen, aber im Westen wird gedopt“, berichtet Richthofen heute.

    2. Gordon Bujak am 16. April 2009 - 12:51 -

      Interessant

    3. Notizen vom Sportausschuss (11): “eine besondere Art Mensch” : jens weinreich am 25. Juni 2009 - 15:07 -

      [...] Detlef Paar (FDP): Fragt, warum sich prominente Dopingopfer nicht an Präventionsprojekten beteiligen. (JW: Entschuldigung, dass ich das hier kommentiere: Aber diese Frage ist keine Frage, sondern eine Frechheit. Wer sich dafür interessiert, sollte mal Dopingopfer fragen, wie sehr sie bisher in Präventionsprojekte des Sports einbezogen wurden und was aus ihren eigenen Vorschlägen dazu geworden ist.) Ob das vielleicht mit dem Täter-Opfer-Changieren zu tun haben kann, den Prof. Digel anführte? Der Antrag der Grünen ist für ihn Populismus und ein Schnellschuss. Er verweist auf das Projekt des BISp. (JW: Oh ja, das BISp-Projekt, oh ja, die Propaganda des Sports. Dazu ist hier schon viel gesagt worden, u.a. von Gerhard Treutlein.) [...]

    4. Ralf am 7. August 2009 - 11:46 -

      Daniel Drepper für das ZDF: Das befleckte Symbol – Trotz Kritik finanziert der deutsche Sport ein fragwürdiges Projekt

      Hat [das BISp] über die Bewerbungen einfach alleine entschieden und sich über die Gutachten mehrerer Experten hinweggesetzt?
      [...]
      Zusätzliche Brisanz erhält die Vergabe durch die vom BISp ausgewählten Forscher. Erhalten haben das 500.000-Euro-Projekt die beiden von den Gutachtern negativ bewerteten Bewerbungen aus Münster und Berlin gemeinsam. Das dubiose: In Berlin profitiert mit Elk Franke ein Professor, der das Projekt selbst mit angeschoben und die Ausschreibung maßgeblich entwickelt hat.

    5. Ralf am 7. August 2009 - 12:04 -

      Daniel Drepper für ZEIT online: Bundesinstitut vergibt dubiosen Auftrag zur Dopingforschung

      Zudem haben die Forscher der Humboldt-Universität Berlin erst vor kurzem ein 1,3 Millionen Euro schweres Dopingprojekt zugeteilt bekommen. “Das ist fragwürdig und der Wissenschaft nicht förderlich”, sagt ein Gutachter zur redundanten Förderung von Innen- beziehungsweise Bildungsministerium.

    6. ha am 7. August 2009 - 12:23 -
    7. ha am 7. August 2009 - 14:14 -

      Die Inzucht passt irgendwie zum Thema :(

      Nachfrage, vielleicht bei Daniel Drepper, der ja hier gelegentlich mitliest: Ist das rechtlich zulässig, dass ein Wissenschaftler, in diesem Fall Elk Franke, der eine Ausschreibung entwirft (mit einem 40-seitigen Konzept, wie Sie seinerzeit hier gebloggt haben) und bestimmt nicht unhonoriert, sich dann erstens bewirbt für selbst formulierte Anforderungen, und zweitens auch noch den Zuschlag bekommt? Oder ist das sozusagen ein juristisches Desiderat im ansonsten ja durchaus geregelten Wissenschaftsbetrieb?

    8. Daniel Drepper am 15. August 2009 - 14:03 -

      @ha: Ehrlich gesagt weiß ich es nicht. Vielleicht können die Juristen im Blog mehr dazu sagen. Es scheint aber wohl kein Einzelfall zu sein. Tut mir leid, dass die Antwort so lange gedauert hat und dann noch so nichtssagend ausfällt ;)

    9. Ralf am 28. August 2009 - 08:52 -

      Daniel Drepper für ZEIT online: Kritik am Bundesinstitut – Obersten Sportwissenschaftlern droht das Aus

      Sollte das BISp die Vorwürfe nicht aufklären, könnte es im schlimmsten Fall geschlossen werden. “Ziel der Begutachtung durch den Wissenschaftsrat war es, Institute, die negativ evaluiert werden, notfalls auch zu schließen”, sagt Hagemann.
      [...]
      Veraltete Strukturen, Steuerverschwendung, Selbstbedienungsmentalität: Bis zu 75 Prozent der Fördermittel von jährlich etwa zwei Millionen Euro sprachen die Mitglieder der entscheidenden Gremien sich selbst zu, hieß es im Gutachten des Wissenschaftsrates.
      [...]
      Obwohl das Sportinstitut die am härtesten kritisierte Einrichtung war, schickte es nur magere eineinhalb Seiten nach Berlin.

    10. nocheinjurist am 29. August 2009 - 05:34 -

      @ Daniel Drepper: Auch ein Schelm, wer Boeses dabei denkt, das der Zeit-online-Artikel einen Tag vor der geplanten Veroeffentlichtung des Berichtes erschien ;-)

      Koennte es sein, dass ein gewisser Anteil Neid anderer Forschungseinrichtungen bei der Bewertung der Ausschreibung eine Rolle gespielt hat? Als einziger Ausweg bleibt wohl — Geld, das eine Forschungseinrichtung aus Guenden von “Interessenverquickung” nicht mehr ausgeben darf, wird auch keiner anderen Einrichtung fuer, sagen wir, drei Jahre zur Verfuegung gestellt.

      Zum juristischen: Es wird im Zuwendungsrecht hoffentlich Vorschriften geben, die solche Vorgaenge verhindern koennen, ich kenne mich da aber nicht aus. Eine Straftat koennte es nur dann sein, wenn man eine Absprache nachweisen kann (Beguenstigung/Bestechung?). Das Problem bei diesen Taten ist, dass es keine Opfer als Zeugen gibt und man auf den (“anscheissenden”) Neid der Mitbewerber angewiesen ist.

      Es bleiben (jetzt wird es abstrakt!), wenn keiner auspackt, nur Indizien, um Absprachen oder eventuelle kickbacks zu beweisen. Als Gegenargument steht im Wissenschaftsbetrieb wohl immer, dass durch eine zunehmende Spezialisierung auf vielen Gebieten einfach sehr wenige Bewerber mit passenden Konzepten und Erfahrungswerten unterwegs sind und es deshalb in der Natur der Sache liegt, dass dieselben Leute immer wieder mit denselben Leuten…. Das ist aehnlich wie bei Bundesliga-Trainern, wo der hie Geschasste ja auch mal schnell zum naechsten auf Besseung hoffenden Verein wechselt, oder bei Themen wie Stasi- oder anderer Geheimdienstberichterstattung.

      Es ist ansonsten nicht verwunderlich, dass derjenige, der die Ausschreibung entwirft (und von der Herangehensweise wissenschaftlich ueberzeut ist), dann auch das passendste Angebot macht. Denn er haelt es wissenschaftlich ja fuer richtig, was er vorschlaegt, und hat sicher die passenden Antworten. Im kleinen Zirkel geritten, mag das ganze sogar in sich stimmig sein.

    11. Daniel Drepper am 29. August 2009 - 09:44 -

      @nocheinjurist: Der Zeit-Artikel ist am Donnerstag, also einen Tag nach der Absage im Haushaltsausschuss (der am Mittwoch tagte), erschienen. Zur Neid-Frage: Welche Ausschreibung meinen Sie? Die Ausschreibung des Doping-Projektes?

    12. Was vom Tage übrig bleibt (41): “Dream Chasers” : jens weinreich am 31. August 2009 - 12:35 -

      [...] anderem in diesem Beitrag: “Obersten Sportwissenschaftlern droht das Aus“, über den hier bereits einige Zeit diskutiert [...]

    13. nocheinjurist am 1. September 2009 - 08:35 -

      @ Daniel Drepper:

      Im verlinkten Artikel ergibt sich der Eindruck, er sei vor der Absage erschienen. Anders haette Herr Hagemann kaum darauf reagieren koennen, dachte ich mir unbefangen beim Lesen

      …Doch einen Tag vor der geplanten Bekanntgabe des Berichtes hat Hagemann die Veröffentlichung abgesagt. Er müsse erst die auf ZEIT ONLINE erhobenen Vorwürfe gegen das Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) prüfen, lautete seine Begründung….

      Ja, es ging um jene Ausschreibung. Mich interessierte, wer vielleicht sonst die Ausschreibung durchgefuehrt haette. “Cui bono?” hiess das wohl frueher mal.

    14. Daniel Drepper am 1. September 2009 - 08:58 -

      @ nocheinjurist: Ah, ok. Mit den angesprochen Vorwürfe sind diejenigen aus den beiden vorhergehenden Beiträgen gemeint (im Text verlinkt).

    15. nocheinjurist am 3. September 2009 - 05:53 -

      @ Daniel Drepper: Keine Vorwuerfe. Und es war ja die Meinung von Juristen gefragt. Versuche es ann nochmal: Wer haette ihrer Meinung nach wahrscheinlich davon profitiert, wenn nicht das BISp den Auftrag erstellt und vergeben haette?

    16. Daniel Drepper am 3. September 2009 - 10:13 -

      @ nocheinurist: Kein Problem. Ich bin mir nicht sicher, ob man das so betrachten kann, da das BISp die einzige Bundeseinrichtung zur Förderung der Sportwissenschaft ist. Ich wüsste also nicht, ob solch ein Auftrag derzeit von einer anderen Einrichtung hätte vergeben werden können.

      Der Hauptkritikpunkt an dem Projekt ist meiner Meinung nach aber auch die Unsinnigkeit der erneuten Forschung – denn die möglichen Ergebnisse des Projektes sind zum großen Teil ja bereits öffentlich. Hätte man eine Zusammenfassung dieser Veröffentlichungen angestrebt, wären sicherlich die unten im Text genannten Experten passende Kandidaten gewesen. Diejenigen, die sich fast alle nicht auf das Projekt beworben haben.

      Danke im Übrigen für die juristischen Erläuterungen!

    17. Ralf am 4. Oktober 2009 - 23:10 -

      dlf (mp3):

      Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

      Sendezeit: 04.10.2009 19:38
      Autor: Drepper, Daniel
      Programm: Deutschlandfunk
      Sendung: Sport
      Länge: 07:35 Minuten

    18. Herbert am 3. Februar 2010 - 12:05 -

      Auch die Philosophen sind unmittelbar gefordert, wenn es um Doping geht: “Da wird sehr oft unreflektiert mit moralischen Kategorien operiert”, sagt Asmuth, “wie in kaum einem anderen gesellschaftlichen Bereich.” Und spätestens die Moral ist ja ein philosophisches Thema. Handelt ein Sportler, wenn er bestimmte Medikamente einnimmt, unmoralisch? Verstößt er gegen ethische Grundsätze?

      http://www.taz.de/1/sport/artikel/1/das-optimierte-gehirn/

      Es ist ein Gemeinplatz zu behaupten, der Sport sei ein Spiegelbild der Gesellschaft.2 Diese Aussage ist ebenso suggestiv einleuchtend wie irreführend. Es hängt nämlich viel von der Perspektive ab, von dem Vergleichspunkt, unter dem man den Sport betrachtet. Zumindest zweierlei lässt sich einwenden: einmal verhindern die besonderen Sportregeln ein solches Abbildungsverhältnis; dasselbe gilt andererseits für die Tatsache, dass der Sport als ein Subsystem der Gesellschaft betrachtet werden muss.3 Der erste Aspekt betont die Spezialisierung des Sports in der Gesellschaft, der zweite die Subordination unter das gesellschaftliche Ganze. Spezialisierung und Subordination werden aber durch die »Spiegel«-Metapher oder durch eine Abbildungstheorie nicht erfasst.

      http://www.translating-doping.de/interaktion/zielgruppen/43/162

    19. ha am 3. Februar 2010 - 13:27 -

      Herbert,
      dass Sie mal etwas zitieren, das auch ich zitiert hätte ;-)

      Und ich finde, man kann es auch umgekehrt sagen: In keinem Bereich der Gesellschaft ist “Doping” öffentlich so geächtet wie im Sport. Aus gutem Grund. Der Gedanke, der im zitierten Text vielleicht fehlt, aber es ist auch nicht ganz das Thema – woher Doping, historisch betrachtet, in den Sport gekommen ist. Aus einem anderen Teilbereich der Gesellschaften: aus den Armeen. In den Ersatzkrieg, den olympischen.
      Auch das sagt etwas darüber, wie schief die Theorie ist, dass Doping, weil im HLS verbreitet, sich gesellschaftlich verbreitet.

    20. Herbert am 3. Februar 2010 - 16:23 -

      @ha

      Vllt. bin ich näher an Ihrer Grundauffassung als Sie meinen. Ich trage hier auch nicht jede Nuance des Beitrages. Das Projekt finde ich jedoch sehr interessant, auch wenn es in der Öffentlichkeit zurzeit nicht diskutiert werden wird. Aber darüber kann man bestimmt vieles Gemeinsamkeiten entdecken. Auch das, was Asmuth schreibt,kann man wegwischen oder man kann es considern.

      Wenn ich etwas seit der Anwendung des Internets für den Austausch von Meinungen und Positionen gelernt habe, dann das: Schneller und konsequenter kann man sich auseinanderreden. Missverständnisse haben leichteres Spiel, da Nuancen nicht selten untergehen. Gemeinsamkeiten werden kaum gesucht. “Nettigkeiten”und “Labels” sind schnell verteilt. Kompromisse werden kaum gemacht. Und noch schlimmer,durch die Anonymität hängt man auf Gedeih und Verderb von der Gesprächskultur und/oder gar der – bereitschaft des anderen ab. Außerdem macht Anonymität argwöhnisch, leichtfertig und eitel.
      Da oft kaum moderiert werden kann,in den Foren sind die Mods sehr oft überfordert, kann es von einem post zum anderen sofort zum clash kommen, obwohl das von keiner Seite jemals die Absicht gewesen war. Vertrauen schaffen und gute Absichten nachzuweisen, ist im Interent eine Kunst, die nur wenige beherrschen. Trotzdem ist es das Medium, ohne Zweifel.

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