Was vom Tage übrig bleibt (30): DLF-Gespräche mit Misersky, Kofink, Treutlein – und Thierse

veröffentlicht: 13. April 2009, 14:56 - zuletzt bearbeitet: 13. April 2009, 22:29

Stammgästen dieses Blogs sind Gerhard Treutlein, Henner Misersky und Hansjörg Kofink bestens bekannt. In den Kommentaren schreibt der Leser “rentner”, der sich hervorragend auskennt in der Szene, zu Kofinks Beitrag:

Kofinks Anmerkung zur Dopingproblematik West/Ost ist das Beste, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Alle mit der so genannten Aufarbeitung in den 1990er-Jahren Beschäftigten sollten sie so lange lesen, bis sie sie auswendig können und sich dann ins Kloster verabschieden. Im Übrigen für all die, die mit dem Namen Kofink nicht so viel anfangen können: Der schwäbische Pädagoge war Bundestrainer für Kugelstoßen/Frauen zu einer Zeit, da man im DLV begann wegzuschauen. Weil ihm die Heuchelei gegen den Strich ging, zog er sich angewidert zurück. Kofink weiß also, wovon er schreibt.

Im Deutschlandfunk führte Jessica Sturmberg die drei Dopingaufklärer Treutlein, Kofink und Misersky gestern zu einem Gespräch zusammen. Zum Nachhören, 19:10 Minuten, eine Diskussion über den Umgang mit der Vergangenheit, Lügen der Dopingtäter und Abhängigkeiten einer angeblich unabhängigen Kommission, die mit zwei Leichtathletik-Funktionären (Reiche, Ecker-Rosendahl) vielleicht doch etwas einseitig und parteiisch besetzt ist:

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Mich überrascht besonders die plötzliche Erklärung des Brandenburger Leichtathletik-Präsidenten Steffen Reiche (SPD), wonach Werner Goldmann, der vor Monaten noch als untragbar eingeschätzt, nun plötzlich wegen eines Satzes, dass er den Fall Jacobs bedauere (ein dahingeschriebener Satz, mehr nicht), wieder der geeignete DLV-Bundestrainer sein soll. Das verstehe, wer will. Das UDIOCM, der DOSB-Präsident Thomas Bach, hat mir vor wenigen Tagen im Interview noch gesagt, Goldmann habe “gegenüber dem Zeugen nicht sehr glaubwürdig geleugnet”, man müsse erst mal sehen, wie glaubwürdig ein eventuelles Umdenken einzuschätzen sei. Keine Sorge, gemäß UDIOCM geht die Kommission in aller “Objektivität und Neutralität” an die Aufgabe und ist in ihrer Zusammensetzung ohnehin über jeden Zweifel erhaben.

Mein Kommentar gestern in der Sendung “Themen der Woche” im Deutschlandfunk:

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Nachtrag: Herbert Fischer-Solms im Gespräch mit Wolfgang Thierse:

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Wolfgang Thierse:

  • Es ist eine Entschuldigung und damit ein Geständnis, sehr spät, 20 Jahre danach, und irgendwie wirkt sie auf mich nachgereicht, erdrängt, erzwungen.
  • Vertrauen stellt sich her durch Aufrichtigkeit, durch Wahrhaftigkeit. Deshalb ist ein Gespräch notwendig, damit Vertrauen wirklich entsteht und nicht nur Vertrauen herbei gezwungen wird.
  • Wer soll ihnen vergeben? Doch nicht Sportfunktionäre der Bundesrepublik. Sondern das setzt wieder voraus das Gespräch mit den Betroffenen, mit den Opfern. Denn die müssen die schwierige, schmerzliche Leistung der Vergebung aufbringen. Ich glaube nicht, dass die Trainer von damals und die Sportfunktionäre von heute sich davor wirklich drücken dürfen.
  • Geht zu den Opfern und schaut ihnen ins Gesicht!

Noch einige Leseempfehlungen, manche Texte sind in den Kommentaren bereits verlinkt worden:

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36 kommentare zu “Was vom Tage übrig bleibt (30): DLF-Gespräche mit Misersky, Kofink, Treutlein – und Thierse”

    1. Thomas am 13. April 2009 - 16:03 -

      Weils mir grade wieder auffällt: könntest du die MP3s, die du in den Player einbindest (welcher hier mangels [aktiviertem] Flash-PlugIn nicht erscheint) auch noch zusätzlich verlinken? Würde es einfacher gestalten, das mal eben auf den Player zu laden und abseits des Rechners zu hören. So wühle ich mich halt durch den Quellcode.

    2. Jens Weinreich am 13. April 2009 - 16:05 -

      Gebe mir Mühe, beim nächsten Mal. Pionierehrenwort. An was man alles denken muss, ich fand diesen eingebundenen Player doch so praktisch.

    3. Thomas am 13. April 2009 - 16:08 -

      Er ist auch praktisch, aber auf dem Rad ist der Laptop dann doch unhandlich ;-)

    4. Jens Weinreich am 13. April 2009 - 16:11 -

      Das leuchtet selbst mir ein.

    5. ha am 13. April 2009 - 16:36 -

      Wäre gespannt, ob jemand den Fall Goldmann versteht. Da akzeptiert einer Ende der Neunziger einen Strafbefehl, dann lügt er per “Ehrenerklärung”, dann dieses “nicht sehr glaubwürdige Leugnen”, dann schreibt er nicht etwa einen Reue-Satz dahin, sondern der Satz wird ihm diktiert, von Reiche, wenn ich das richtig gehört hab – und damit, sagt Reiche, erfüllt er das Kriterium der “glaubwürdigen Reue” …
      Man kommt sich allmählich bescheuert vor, wenn man das abnorm findet, was hier mit größter Selbsverständlichkeit behauptet und organisiert wird. Mir geht jedenfalls das Unterscheidungsvermögen verloren, wer heute übler agiert: Politiker und Funktionäre für mich eher als die Trainer. Erschreckend, dass jemand wie Reiche nicht einmal mehr ein Gefühl dafür zu haben scheint, was er sagt und tut, sondern das auch noch als eine Art Leistung verkauft. Unvorstellbar, dass er ein so genannter Bürgerrechtler war, Mitbegründer der SDP.
      Diese Geschichte unterscheidet sich im Grad der Verlogenheit in nichts von dem, was in der DDR üblich war.

    6. hilti am 13. April 2009 - 17:00 -

      Bei der Gelgenheit möchte ich noch meinem Wunsch nach einem Player mit Lautstärkeregler anbringen. Wäre schön, wenn sich das machen ließe.

    7. Hannsheinz Noffke am 13. April 2009 - 21:18 -

      Mich macht die Art und Weise dieser Auseinandersetzung betroffen. Sie wirkt auf mich gnadenlos. Darf man wirklich das Schreiben der fünf DLV-Trainer oder die Entschuldigung Goldmanns so heftig beiseite schieben, wie es (nicht nur) hier im Blog geschieht?

      Der Hamburger Jurist und Strafverteidiger Gerhard Strate hat Anfang der 90er Jahre gesagt, als es um die Aufarbeitung des Stasi-Unrechts in der DDR ging:

      Wenn die Opfer über die Täter richten, beginnt die Barbarei.

      Gewiss, es sind den Dopingopfern tiefe Wunden in Körper und Seele zugefügt worden. Aber das Geschehen liegt 20, 30 Jahre zurück und die Trainer bekennen ihre Schuld, die angesichts ihrer Verstrickheit in das totalitäre System keine alleinige war.

      Also: Warum kann, warum will nach so langer Zeit niemand der Opfer den Tätern, die ihre Schuld bekennen, die Hand reichen? Warum kann offenbar niemand vergeben?

    8. hilti am 13. April 2009 - 21:50 -

      Weil der Eindruck naheliegt, dass sowohl das Schreiben der fünf DLV-Trainer als auch die Entschuldigung Goldmanns nur Lippenbekenntnisse sind, die nicht wirklich ernst gemeint sind.

      Und es ist keine richtiges Schuldeingeständnis, wenn sinngemäß “falls wir jemanden geshadet haben” drin steht.

      Letztendlich ist das Ganze für mich eine PR-Aktion, die es sowohl dem DLV als auch den Trainern erlauben soll, den Statur quo ohne Gesichtsverlust beizubehalten.

    9. Jens Weinreich am 13. April 2009 - 22:09 -

      @ Hannsheinz Noffke: Ich verstehe Ihre Argumente. Es liegt in der Natur der Sache, dass jene, die nicht einverstanden sind mit der Art, wie das Problem nun juristisch-bürokratisch abgehakt werden soll, ohne jegliche eine Aufarbeitung, und die gegen die herrschende Propaganda aufbegehren und versuchen, diese Propaganda argumentativ zu zerlegen, nun als Ärgernis und verbittert empfunden werden. Dass die Opfer also in die Rolle der Nörgler und ewig unzufriedenen Protestierer gedrängt werden, ist nicht neu, es war zu befürchten und liegt, s.o., in der Natur der Sache.

      Indes glaube ich, dass Ursache und Wirkung nicht verwechselt werden sollten. Gnadenlos agieren meines Erachtens Personen wie Goldmann, die zwanzig Jahre gelogen und verdrängt haben. Gnadenlos agieren jene, die diese Erklärungen, wie den einen zusätzlichen Satz von Goldmann, nun einfach durchwinken wollen. Gnadenlos agieren diejenigen, die ihre moralische Mitschuld daran, dass wir noch 20 Jahre nach der Wende teilweise auf dem Niveau der Wendezeit diskutieren, mit diesen Erklärungen ebenfalls verwischen wollen. Gnadenlos agieren diejenigen, die ihre Jahrzehnte währenden Verstöße gegen das Zuwendungsrecht nun mit diesen Erklärungen ebenfalls vertuschen wollen. Mir würden noch einige Argumente einfallen. Die Handreichungen, ob symbolisch oder ganz praktisch, hat es imho fast nur immer von Seiten der Opfer gegeben.

      Das klingt jetzt alles sehr gnadenlos, wobei ich sagen muss, ich habe das schon mehrfach formuliert, dass die Schuld derjenigen, die derlei Erklärungen unterschrieben, ganz unterschiedlich wiegt. Sie wird allerdings durch den quasi ahistorischen Inhalt der Erklärungen, die teilweise im Jargon des DDR-Staatsdopings formuliert sind, ebenfalls gnadenlos verwischt. Am Ende bleibt: Diese Papiere werden in ihrer Pauschalität nicht einmal mehr den Tätern gerecht.

      Ich habe in den ersten Monaten dieser Auseinandersetzung wahrlich anderes antönen lassen, habe in meiner journalistischen Arbeit in den vergangenen Jahren mit einigen Trainern (Henneberg, Warnatzsch, Pottel u.a.) aber auch Sportlern (Drechsler u.a.) eine Art Frieden geschlossen und habe immer versucht, dies nach bestem Wissen und Gewissen für meine Leser nachvollziehbar zu begründen. Hier aber geht m. E. zu vieles durcheinander, was nicht durcheinander gehen sollte.

      Ich finde es übrigens ganz erstaunlich, was Wolfgang Thiere, kein Dopingopfer, im Interview mit Herbert Fischer-Solms sagt:

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    10. uwe trömer am 13. April 2009 - 22:16 -

      herr noffke, ich glaube zu wissen was sie meinen. aber (natürlich muss ein aber kommen) wenn die ausgestreckte hand von juristen, politikern und sportfunktionären verklausoliert geführt werden muss, habe ich schon ein problem damit. ich habe in diesem zusammenhang, in einem anderen kommentar bereits geschrieben, dass ich vor 15/16 jahren den arzt, der mich fast in den tod gespritzt hat… diesen arzt habe ich mit dem ziel angerufen, mich mit ihm zu treffen um mit ihm darüber zu reden…er hat einfach aufgelegt!!!

      ich glaube das die meisten dopinggeschädigten liebend gern dieses kapitel in ihrem leben endlich schließen möchten…aber nur wenn sich die täter mit ihren eigenen worten und von angesicht zu angesicht bei uns entschuldigen. der systemzwang war nicht so groß, wie der grenzenlose ergeiz und der vorrauseilende gehorsam, dieser trainer, ärzte und betreuer es war! vielleicht noch eine (auch schon geschriebene) anmerkung…es geht bei den tätern in erster linie um die finanz. existenz und den sportpolitikern vom dosb, dlv, bdr usw, geht es um sportliche erfolge und natürlich auch wieder um ihren ergeiz. stellen sie sich vor wie “dramatisch” es für die heutigen sportfunktionäre wäre, wenn deutschland in der länderwertung an 20. stelle stehen würde.

      im gegensatz zu den tätern, mussten wir uns im übertragenen sinne nackt machen…gutachten, beweise etc…dafür haben wir im durchschnitt 10000€ bekommen (fragen sie mal nach, was die trainertäter bis heute so verdient haben)und damit wollten sie uns ganz einfach “vom tisch” haben. dieses geld reicht aber nicht einmal um unsere medizinische versorgung zu sichern und es fragt kein bach, schäuble oder prokop danach, wie es z.b. um unsere finanz. situation bzw. lebenssituation steht.

      ich will nicht über die täter richten, aber ich will trotzdem ein gewisses maß an gerechtigkeit!

      uwe trömer (…)

    11. Thomas am 13. April 2009 - 22:25 -

      Oder um es so zu formulieren:

      Bei einer Weigerung, diese Mittel weiterzugebenErklärung abzugeben, hätten würden uns der Ausschluss aus dem Leistungssport und damit erhebliche beruflichefinanzielle Nachteile gedrohtdrohen.

    12. Christoph am 14. April 2009 - 11:57 -

      Wenn die Opfer über die Täter richten, beginnt die Barbarei.

      Aber wenn es keine Instanzen gibt, die eine ehrliche Aufarbeitung vorantreiben oder die Instanzen, von denen man glaubte, sie sollten der Gerechtigkeit verpflichtet sein, nicht mehr können als einen Schlussstrich zu ziehen, zu paktieren, taktieren und Entschuldigungen zu diktieren, bleibt dem Opfer nichts anderes übrig, als die Anklage laut auszuschreien. Es fällt kein Doping-Opfer ein Urteil, schon alleine weil es das nicht kann.

      Oder: Wo kein Gericht und kein Gesetz, da kein Urteil. Opfer und Täter bleiben aber immernoch.

    13. Walter am 14. April 2009 - 15:14 -

      @ JW,wußte ich es doch schon damals als normaler Sportinteressierter,sie nahmen die “Pille”, bei Kofink hieß das auch so.

      Ich nehme mal das Positive, eine Kugelstoßerin von Kofink und Antje Misersky machten weiter oder fingen wieder an und wurden Weltmeister und Olympiasieger.Also gibt es auch saubere Medaillen.

      Warum fragt keiner,was aus den dopinggeschädigten Sportlern der alten BL geworden ist,gibt es welche,wie wird denen geholfen?
      Wie mit Trainern und Ärzten ( Weibel ,Huber)aus den alten BL verfahren wird hat der BDR gezeigt.Rudi Scharping :”… wir können doch nicht jetzt verurteilen,wenn es damals gang und gäbe war”

      Wolfgang Thierse hebt die globalen Aspekte des Dopings hervor, Deutschland könne nicht auf der Insel der Glückseligen leben.
      Seine Weisheit,das es Sportarten gibt,die nicht ohne Doping auskommen,Radsport,hat er vom vielen Zeitunglesen in den letzten drei Jahren,als sich die Journaille überschlug,Doping in Deutschland für immer mit dem Namen Jan Ullrich zu verbinden.

    14. Gerhard am 14. April 2009 - 18:17 -

      Dopinggeschädigte Sportler der alten BRD: 1995 habe ich bei einer Kleinkoferenz zur Beratung des Manuskripts von Bette und Schimank im Bundesinstitut für Sportwissenschaft genau eine solche Untersuchung gefordert. Darauf antwortete ein Referent des BISp, ein solcher Auftrag sei gerade vor wenigen Tagen an Herrn Hollmann vergeben worden. Später wollte sich niemand mehr an eine solche Aussage erinnern. Dieses Anliegen wurde nie umgesetzt, weder von Hollmann noch von jemand anderem. Giselher Spitzer wollte später etwas Ähnliches umfassender machen; er fand hierfür keine Unterstützung. Das ist doch ideal: Keine Untersuchung, als hat es das Problem eben gar nicht gegeben …

    15. indykiste am 14. April 2009 - 20:22 -

      @Jens

      Mich überrascht besonders die plötzliche Erklärung des Brandenburger Leichtathletik-Präsidenten Steffen Reiche (SPD), wonach Werner Goldmann, der vor Monaten noch als untragbar eingeschätzt, nun plötzlich wegen eines Satzes, dass er den Fall Jacobs bedauere (ein dahingeschriebener Satz, mehr nicht), wieder der geeignete DLV-Bundestrainer sein soll

      gute Erklärung in “Der Richter und sein Anwalt”:
      http://www.berlinonline.de/berliner-zeitung/archiv/.bin/dump.fcgi/2009/0414/sport/0082/index.html

    16. zeitonlinesport am 15. April 2009 - 11:34 -

      Über Vertuschung, Verharmlosung, Heuchelei in der Aufarbeitung der deutschen Doping-Geschichte http://snipr.com/fxodz (of)

    17. Ute Krieger-Krause am 15. April 2009 - 19:23 -

      Herr Nofke, ich habe so viele Jahre naiv gewartet, dass sich meine Doping-Trainer und -ärzte bei mir entschuldigen. Dann, nachdem ich an die Öffentlichkeit getreten bin (vor ca.10 Jahren)hatte ich erwartet, dass sich meine Dopingtrainer und – ärzte bei mir melden. Jetzt, nachdem ich die Realitäten, wie sie waren, wie sie sind und wie sie aktuell von erschreckend ignoranten Sportfunktionären gestaltet wurden und werden, akzeptieren muß, soll niemand von mir erwarten, die andere Wange zur Ohrfeige hinzuhalten. Denn nur das ist zu erwarten von Menschen, die vorgefertigte Texte unterschreiben, ohne die Inhalte wirklich zu meinen. Glauben Sie wirklich, Herr Nofke, dass, vorausgesetzt ein Dopingbetroffener springt über seinen Schatten, dass nur ein dopingbelasteter Trainer in diesem Lande dazu fähig ist, sich wirklich und ehrlich , vorallem persönlich “Aug-in-Aug” bei den Geschädigten zu entschuldigen? Ich nicht (mehr!).

    18. Ralf am 17. April 2009 - 12:49 -

      The Australian: Too little too late, as Raelene Boyle slams East German drug coaches

      Boyle was denied a gold medal in the 200m at the 1972 Munich Olympics by an athlete, Renate Stecher, East German secret service files revealed was on the state-sponsored doping program. [...] “I’d be punishing them for lying for so long rather than for what they did,” Boyle said yesterday. [...] It still would be really nice if the IOC did one day turn around and say, ‘you guys deserve these medals’.

    19. Jürgen Kalwa am 17. April 2009 - 15:54 -

      Was ist eigentlich aus Renate Stecher geworden?

    20. Ralf am 17. April 2009 - 16:27 -

      MDR (04.03.2003): Stecher, Renate: Porträt

      Als nach der Wende der Studentensport an den ehemaligen DDR-Universitäten aufgelöst wurde, verlor sie ihren Job. Danach arbeitete sie kurzzeitig ehrenamtlich in der Anti-Doping-Kommission des DLV. Heute kümmert sie sich um den sportlichen Nachwuchs an der Universität Jena.

    21. Ralf am 20. April 2009 - 09:45 -

      FAZ-Kommentar von Anno Hecker: Persilschein ohne Versöhnung

      Eigentlich ist das Bekennen der erste Schritt. Aber in den genannten Fällen fehlt das Entscheidende: die in die Einzelheiten gehende Selbstbezichtigung. Denn seit 18 Jahren ist genauestens bekannt, dass DDR-Trainer Doping-Mittel einsetzten. [...] Eine ausgeschlossene DDR-Trainerschaft hätte sicher ihr Wissen über die Arbeit der Kollegen in der Bundesrepublik ausgeplaudert

    22. Ralf am 20. April 2009 - 18:14 -

      dlf (mp3-Datei):

      Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

      Sendezeit: 19.04.2009 19:38
      Autor: Fischer-Solms, Herbert
      Programm: Deutschlandfunk
      Sendung: Sport
      Länge: 07:07 Minuten

      Das sind doch dieselben Leute! Warum hat der Bach denn damals nichts getan? Warum hat denn keiner von denen auch nur irgendetwas getan?

    23. Herbert am 20. April 2009 - 19:53 -

      Wieso spricht Prof. Franke vom DLV ? Er sollte doch richtigerweise vom DTSB sprechen. Die von ihm mit Namen aufgeführten Personen sind doch mit zwei Ausnahmen alles DDRler, Pansold, Ewald, Springstein,Jacobs und Elbe. Bei den westdeutschen Juristen vom DLV, den verstorbenen Sportlern und ihren Hinterbliebenen und den verantwortlichen Funktionäre bleibt er sehr allgemein. Wenn er schon über den Zustand des deutschen Sports befragt wird, dann sollte er auch hier Roß und Reiter nennen. Herbert Fischer-Solms hätte aber auch mal nachfragen können.
      Ich habe schon viel über die angeblich in Austin/Texas gesicherten Akten gehört, aber noch nie darin gelesen. Sind das private Unterlagen oder gehören die dem DSOB ? Was sollen sie den dort? Da gibt es Fragen, die ich Prof.Franke gern mal stellen würde.

    24. Ralf am 21. April 2009 - 09:27 -

      Zu den Akten in Austin:

      netzeitung.de:

      Einen Großteil der von Franke nach dem Mauerfall sichergestellten, ehemals geheimen wissenschaftlichen Dopingforschungsarbeiten und Dopingprotokolle des DDR-Sports hat er 2002 der Universität von Texas in Austin übergeben. Dort werden die Dokumente des DDR-Sports nun für die Zukunft allen Interessenten zur Verfügung stehen. In Kürze sollen nun die Doping-Dokumente im Internet unter http://www.lib.utexas.edu veröffentlicht werden.

      Der inzwischen 64-jährige Franke zeigt sich besonders deshalb zufrieden, «weil nun diese wesentlichen Belege inhumaner wissenschaftlicher Praktiken unter dem besonderen Schutz durch die USA-Verfassung auf Informationsfreiheit stehen. Kein deutsches Gericht kann sie zum Verschwinden bringen.»

      StZ:

      Warum haben Sie alle Dopingdokumente, die Sie in der DDR gefunden haben, an die Universität in Austin/Texas gegeben? Kopien liegen doch schon bei der Stiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur . . .

      In Deutschland sind viele davon auf Grund der Rechtslage, nämlich des deutsch-typischen großen Täterschutzes, nicht öffentlich zugänglich. In den USA wirkt das Recht auf Informationsfreiheit. Die Dokumente liegen jetzt in der Lyndon-B.-Johnson-Bibliothek für Zeitgeschichte, wo sie von Wissenschaftlern und Journalisten eingesehen werden können. So kann dieses Kapitel nicht mehr im Dunkel der Geschichte verschwinden. Und wenn die Bibliothek auf die Idee kommen sollte, die Dokumente ins Internet zu stellen, kann man auch nichts dagegen machen.

    25. Herbert am 21. April 2009 - 10:47 -

      @Ralf

      Danke.

    26. Jens Weinreich am 22. April 2009 - 09:59 -

      Habe ich etwas verpasst? Diese DOSB-Pressemitteilung erhielt ich gestern Abend, sie ist aber vom 17. April datiert. Egal:

      Präsidium beruft Volkhard Uhlig für Fall Goldmann in Steiner-Kommission

      Steffen Reiche lässt Funktion in dieser Sache ruhen

      DOSB-Generaldirektor Michael Vesper teilt mit:
      “Die vom DOSB-Präsidium eingesetzte Unabhängige Kommission zur Überprüfung von Trainern/-innen mit Dopingvergangenheit hat sich unter dem Vorsitz des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Prof. Dr. Udo Steiner erneut mit dem Fall des Leichtathletiktrainers Werner Goldmann befasst. Dieser hatte kürzlich gegenüber dem Deutschen Leichtathletikverband (DLV) eine Erklärung zu seiner Dopingvergangenheit abgegeben, die der DLV der Kommission mit der Bitte um ein erneutes Votum vorgelegt hatte. Vorausgegangen waren nach der ersten Anhörung und Entscheidung der Kommission vorbereitende Gespräche Goldmanns mit dem Kommissionsmitglied Steffen Reiche MdB, die dieser im Wissen und mit Zustimmung der Kommission geführt hatte.

      Um auch nur den Anschein einer möglichen Befangenheit zu vermeiden, hat Steffen Reiche gegenüber der Kommission nunmehr erklärt, dass er an den weiteren Beratungen und Entscheidungen in dieser Sache nicht mitwirken wird. Die Kommission nahm dies zustimmend zur Kenntnis und bat das DOSB-Präsidium, an seiner Stelle ein Ersatzmitglied zu berufen.

      Das DOSB-Präsidium hat diesem Wunsch entsprochen und beschlossen, Herrn Dr. Volkhard Uhlig für die Behandlung des Falls Goldmann in die Kommission zu berufen. Uhlig, letzter Präsident des Basketballverbandes der DDR, arbeitet seit Anbeginn (1995) im Unabhängigen Beratungsgremium in Stasi-Fragen (seit 2006 unter Vorsitz von Joachim Gauck) mit. Herr Uhlig hat sich zur Übernahme dieser Aufgabe bereit erklärt.
      Die Kommission wird sich zeitnah neuerlich mit der Angelegenheit befassen und Herrn Goldmann zu einer weiteren Anhörung einladen.”

    27. ha am 22. April 2009 - 10:13 -

      Das Interessante an dem Vorgang war, dass DLV-Prokop Ostern im DLF erklärt hat, er wisse von der neuen, von Reiche angekündigten Goldmann-Erklärung ganz und gar nichts. Am letzten Wochenende dagegen, im DLF-Beitrag zur Unabhängigkeit der Kommission, hieß es aber so ähnlich wie in dieser PM: Reiches “Beratung” für Goldmann sei mit DLV und DOSB abgesprochen gewesen.
      Warum wird er dann ersetzt? Das kleine Komplott im großen Beschiss ist doch schon aufgeflogen …

    28. Ralf am 22. April 2009 - 10:25 -

      @ Jens:

      Die Meldung wurde in Deinem “Wohnzimmer” auch bereits am 17. April vermeldet… ;-)

    29. Jens Weinreich am 22. April 2009 - 10:40 -

      Ralf, mein Lieber, ich habe auch nicht wirklich daran gezweifelt. War nur etwas irritiert, dass ich die PM vom DOSB mit vier Tagen Verspätung erhielt. Und habe unter dem falschen Blogeintrag gesucht. Was mich einmal mehr dazu bringt, zu fragen:

      1) Eine Fortschreibung der Geschichten mit Links ist ja wunderbar. Nur werden die Kommentare nicht mit in die Suchfunktion von Wordpress einbezogen? Lässt sich das ändern, gibt es ein Plugin, hat jemand Ahnung?

      2) Ist es vielleicht praktischer, täglich einen Beitrag mit Links (dann eben doppelte Links: zur Medien-Quelle und zum entsprechenden Beitrag/Beiträgen im Blog) einzurichten? Also ein tägliches “Was vom Tage übrig bleibt”? Wahrscheinlich aber gibt es auch dafür schon Plugins und/oder andere Tools?

    30. Herbert am 22. April 2009 - 12:44 -

      @Ralf

      Nachdem ich mich direkt an die Biobliothek der Austin University gewandt habe, hat man mir auch unverzüglich geantwortet. Allerdings so easy ist es nicht. Die Akten sind über Internet nicht einlesbar. Im Original dazu folgende Antwort :
      …, I suspect there may be some confusion about the ease of availability of this archival material. There is what we call a “Finding Aid”, a list and description of resources, posted on the internet.
      However the actual items listed in this archive are only available in print in archival format. They are not posted on the web or available in any scanned format. To view the material, you would need to visit the University,…

      Ja, dann auf nach Austin.

    31. Ralf am 22. April 2009 - 13:01 -

      @ Herbert:

      Vielen Dank meinerseits! Konnten Sie in Erfahrung bringen, wo man die digitale Liste der Unterlagen finden kann? Ich konnte auf die Schnelle in deren Bibliothekskatalog(?) leider nichts finden…

    32. Herbert am 22. April 2009 - 13:15 -
    33. Thomas Seeholzer am 22. April 2009 - 13:57 -

      @ JW:
      Eine Verbesserung der Auffindbarkeit der täglichen Links fände ich auch gut.
      Vielleicht sollte man den o.g. Kommentar nochmal als Blogeintrag aufgreifen, denn den o.g. Kommentar findet man im Moment natürlich genauso wenig…
      Die Resonanz dürfte sich sonst in Grenzen halten.

    34. Jens Weinreich am 22. April 2009 - 14:25 -

      Thomas Seeholzer: Richtig. Mache ich demnächst.

      Herbert: Danke. Ich lerne hier täglich was dazu. Es hieß jahrelang, John Hoberman wolle das Material scannen lassen und online zur Verfügung stellen. Ich werde mal bei John nachfragen. So lange gilt: Die Dokumente in diversen Büchern und Zeitungsartikeln nachlesen.

    35. Ralf am 15. Mai 2009 - 09:43 -

      Jochen Mayer in der Sächsischen Zeitung: DDR-Sport war nicht nur Doping

    36. Kwalae Verlag am 11. Februar 2010 - 07:26 -

      Was vom Tage übrig bleibt (30): DLF-Gespräche mit Misersky, Kofink <b>…</b> http://goo.gl/fb/VIhL

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