Antidopingberichte 2008 der deutschen Sportfachverbände

veröffentlicht: 27. Januar 2010, 18:09 - zuletzt bearbeitet: 27. Januar 2010, 19:35

Interessante Notiz zwischendurch: Die Sportabteilung des BMI, die sich in den vergangenen Jahren doch einige Male vorgeführt fühlte, kommuniziert proaktiv. Noch immer stehen bekanntlich die Antidopingberichte für 2008 aus. Ich meine, wir schreiben das Jahr 2010, demnächst sollen die Spitzensportverbände ihre Berichte für 2009 vorlegen, und der Gesamtbericht für 2008 ist noch immer nicht öffentlich.

Präzise betrachtet wurde der Bericht für 2007 ja nur von Journalisten veröffentlicht, zuerst von Holger Schück, im Original steht er nur hier.

Ich habe mich leidlich um den Bericht für 2008 bemüht, der derzeit von BMI und DOSB unter Mitwirkung von BVA und NADA aufgehübscht wird. Bundesinnenminister Thomas de Maizière hat im Dezember im Sportausschuss angedeutet, dass es mit etlichen Verbänden Probleme gibt. Seither glühen die Drähte. Der Ausschuss will das Thema behandeln, planmäßig aber erst im März.

Und siehe, soeben verkündet das BMI per Presseverteiler:

Dr. Christoph Bergner, Parlamentarischer Staatssekretär, zum derzeitigen Stand der Auswertung der Anti-Dopingberichte 2008

Das Bundesministerium des Innern (BMI) und der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) haben sich auf ein gemeinsames Verfahren verständigt, nach dem die Anstrengungen der Sportfachverbände und Erfüllung ihrer Verpflichtungen bei der Bekämpfung des Dopings im Sport ermittelt und bewertet werden. Dies geschieht in Form der sogenannten Anti-Dopingberichte. Hierbei handelt es sich um Selbstauskünfte der Verbände, die jeweils zum 31. März über das vorangegangene Jahr erhoben werden. Sie werden von der NADA unter Einbeziehung vorhandener Erkenntnisse auf Plausibilität und Schlüssigkeit geprüft und anschließend vom BVA unter zuwendungsrechtlichen Aspekten ausgewertet.

In Auswertung der Anti-Dopingberichte 2008 wurden bei 41 Zuwendungsempfängern (von 60 = 68%) keine Beanstandungen festgestellt. Staatssekretär Dr. Bergner begrüßt ausdrücklich, dass damit die Mehrheit (mehr als Zweidrittel) der Verbände im Berichtsjahr eine vollständige Umsetzung der umfangreichen Vorgaben zur Anti-Dopingbekämpfung erreicht hat.

Bei 19 Zuwendungsempfängern (= 32%) sind Mängel festgestellt worden. Dabei handelt es sich um – vielfach formale – Verstöße aus dem Jahr 2008, die zum Beispiel in der nicht ausreichenden Umsetzung des NADA-Codes in den Satzungen, fehlerhaften Antidopingklauseln in den Arbeitsverträgen der Beschäftigten oder der unzureichenden Durchführung von Wettkampfkontrollen lagen. Hier werden Rückforderungsverfahren eingeleitet. Insgesamt belaufen sich die möglichen Rückforderungen nach heutigem Stand auf gut 200.000 Euro.

Bei einigen Verbänden werden vor Erlass des Rückforderungsbescheides derzeit erneut Anhörungen des BVA durchgeführt. Angesichts der noch laufenden Verwaltungsverfahren können weitergehende Angaben derzeit nicht gemacht werden. Über diesen Sachstand sind heute auch die Obleute im Sportausschuss des Deutschen Bundestages unterrichtet worden.

Verstöße in der Umsetzung des NADA-Codes oder gegen Auflagen in den Zuwendungsbescheiden werden mit diesen Rückforderungen konsequent verfolgt. Damit unterstreicht die Bundesregierung ihren Grundsatz, Steuergelder nur sauberem Sport bei konsequenter Dopingbekämpfung zur Verfügung zu stellen. Diese deutlichen Sanktionen sind schmerzhaft für die verstoßenden Verbände, werden zugleich Signalwirkung für die Zukunft haben und die Verbände zu einer noch konsequenteren Beachtung der Anti-Doping Regelungen anhalten.

Soweit zu den Behauptungen des BMI.

Was die Ministerialen und Sportpolitiker, die von Steuermitteln leben, natürlich immer noch nicht begreifen und in ihrer Arroganz nicht begreifen wollen: Dass dieser Bericht, das alle Berichte schon längst öffentlich sein müssten – im Internetz.

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9 kommentare zu “Antidopingberichte 2008 der deutschen Sportfachverbände”

    1. Thomas Seeholzer am 27. Januar 2010 - 20:46 -

      Bei 32% sind Mängel festgestellt worden.
      Die Rückforderungen belaufen sich (offenbar maximal) auf “gut 200.000 €”.

      200.000 € sind aber nur 0,09% des Förderbetrags von 218,5 Mio € im Jahr 2008.

      Da haben jetzt entweder nur die gaaaaanz kleinen Verbände geschlampt, die ohnehin fast nichts bekommen. Oder es sind nur klitzeklitzekleine Mängel.

      Oder ich habe vergessen, den Familienbonus zu berücksichtigen.

    2. Jens Weinreich am 27. Januar 2010 - 20:51 -

      Thomas, ich denke, Du hast sicher den Familienbonus vergessen. Ich wollte nicht gleich alles kommentieren. Dachte mir nur so beim Überfliegen: ein Drittel der Verbände und dann nur 200.000? Wie viel haben sie unterdrückt? Was muss passiert sein, wenn sie Ende 2008 den BDR nicht bestrafen, nun aber bei 1/3 aller Verbände insgesamt 200… Was wäre, wenn die Öffentlichkeit die Originalunterlagen kennen würde und wenn wirklich aktiv geprüft würde. Vergiss nicht: Die Verbände erstatten selbst Bericht! Es passiert also eigentlich gar nichts, wenn sie sich die Zahlen ein bisschen zurechtmauscheln.

      Fragen über Fragen.

    3. Jens Weinreich am 27. Januar 2010 - 20:56 -

      Antidopingberichte 2008 der deutschen Sportfachverbände #doping #sportförderung #steuermittel http://bit.ly/93gQN0

    4. Thomas Seeholzer am 27. Januar 2010 - 21:11 -

      Ich meine, wir schreiben das Jahr 2010, demnächst sollen die Spitzensportverbände ihre Berichte für 2009 vorlegen, und der Gesamtbericht für 2008 ist noch immer nicht öffentlich.

      Das kann man einfach erklären.
      Ein paar Verbände (32%) haben nicht begriffen, welche Angaben gemacht werden müssen, damit die Selbstauskunft ohne Beanstandungen bleibt.

      Das wird Ihnen jetzt erklärt:

      Bei einigen Verbänden werden vor Erlass des Rückforderungsbescheides derzeit erneut Anhörungen des BVA durchgeführt.

      Wenn es auch die Letzten kapiert haben, dann kann man die Berichte für 2009 ohne viel Aufwand einsammeln und – oh Wunder – es wird alles von Anfang an ohne Mängel sein.

    5. CK am 28. Januar 2010 - 10:37 -

      RT @jensweinreich: Antidopingberichte 2008 der deutschen Sportfachverbände #doping #sportförderung #steuermittel http://bit.ly/93gQN0

    6. Tweets die Antidopingberichte 2008 der deutschen Sportfachverbände : jens weinreich erwähnt -- Topsy.com am 28. Januar 2010 - 16:08 -

      [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von Jens Weinreich, CK erwähnt. CK sagte: RT @jensweinreich: Antidopingberichte 2008 der deutschen Sportfachverbände #doping #sportförderung #steuermittel http://bit.ly/93gQN0 [...]

    7. Ralf am 13. Februar 2010 - 23:09 -

      Thomas de Maizière (SZ): “Es betrifft auch Wintersportverbände”

      Es handelt sich in allen Fällen um formale Verstöße, die nichts mit Sportlerverhalten zu tun haben, etwa eine ungenügende Umsetzung der Anti-Doping-Klauseln in der Satzung. Deshalb habe ich entschieden, dass es nicht zu einer detaillierten Veröffentlichung vor Vancouver kommt: Weil ich jeden Vorwurf einer Beeinflussung der Spiele – so oder so rum – vermeiden will.

    8. Ralf am 14. Februar 2010 - 00:29 -

      dradio.de (mp3):

      Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

      Sendezeit: 12.02.2010 22:54
      Autor: Kistner, Thomas
      Programm: Deutschlandfunk
      Sendung: Sport
      Länge: 01:11 Minuten

    9. Der sportpolitische Komplex oder: Dopingverstöße der Goldverbände BSD und DESG : jens weinreich am 3. März 2010 - 03:33 -

      [...] Januar geruhte das BMI lediglich eine putzige Pressemeldung zu [...]

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